erstellt von: einstecktu, am 12.12.2011 15:24 , Clicks: 6447

Sakko oder nicht Sakko?

Wenn es um die richtige Kleidung zur Arbeit geht, muss mancher von uns zum dunklen Anzug greifen. Mit dem Siegeszug des Business Casual entfiel der Anzugzwang zwar in etlichen Branchen, in konservativen Bereichen gibt es nach wie vor zum klassischen „Business Black“ (einem sehr dunklen Dunkelgrau), weißem oder hellblauen Hemd und gestreifter Krawatte kaum eine Alternative. Das mag einerseits die eigene modische Entfaltungsfreiheit einschränken, andererseits gibt es aber auch klare Richtlinien und macht es so erheblich einfacher, sich dem Anlass gemäß zu kleiden.

 

Ist der Anzug hingegen nicht gefordert, sind wir es um so mehr. Denn statt klarer Ansagen ist hier jetzt eine Einschätzung gefragt. Wie wollen wir auf unser Gegenüber wirken? Da zudem die Grenze zwischen Freizeitgarderobe und Arbeitskleidung schon lange nicht mehr absolut ist, gilt es also letztlich, den richtigen Mittelweg zwischen Lockerheit und Professionalität zu finden. Teilweise sieht man dem armen gequälten Arbeitnehmer sogar an, dass er gerade versucht, bloß nicht zu konservativ zu wirken. Er könnte ja als spießig gelten, wenn er durchblicken lässt, dass ihm der gute alte Anzug eigentlich viel besser gefiel.

 

Zum Glück gibt es nicht nur schwarz und weiß, ja oder nein. Niemand muss sich zur Lockerheit zwingen, das sieht ohnehin reichlich lächerlich aus. Und wenn man sich schon auf den Spagat zwischen Businessgarderobe und Freizeitkluft einlässt, warum dann nicht gleich richtig? Dabei hilft ein Kleidungsstück, das in seiner Vielseitigkeit eigentlich kaum zu überbieten ist: das Sakko.

 

Dabei wurde es oft genug belächelt. Die ach so lockere Kombination aus Jeans, hellem Hemd und Sportsakko, natürlich ohne Krawatte, wurde oft genug zur Uniform. Wer sich vor zehn, zwanzig Jahren etwa im Lehrerzimmer einer durchschnittlichen Schule umgesehen hätte, hätte Schwierigkeiten gehabt, eine andere Zusammenstellung zu finden. Ein früherer Hochschuldozent von mir erwähnte einmal, das sei bis in die Siebziger hinein sein bevorzugtes Outfit gewesen – bis auf einmal alle so herumliefen und er wieder demonstrativ zu Anzug und Krawatte zurückkehrte.

 

Doch das gute, alte Sakko kann mehr. Denn Sakko ist nicht gleich Sakko. Ein gut sitzendes klassisches Sportsakko in Grau- oder Brauntönen etwa können Sie über Jeans und T-Shirt genau so tragen wie zu Flanellhose und Krawatte mit Paisleymuster. Moderne, italienisch geprägte Schnitte in dünnen Stoffen verleihen dem Outfit hingegen eine gewisse Eleganz. Kombinieren Sie sie mit dunklen Chinos oder schlankem Designer-Denim. Da darf auch mal ganz uncharakteristisch ein Einstecktuch hervorblitzen, selbst wenn Sie sich entschlossen haben, auf die Krawatte zu verzichten.

 

Manche Sakkos neuerer Kollektionen sind eindeutig Freizeitgarderobe: dünn, ungefüttert, eng geschnitten und oft mit Applikationen oder Ziernähten versehen. Warum auch nicht? Denn schließlich wollen Sie ja gerade nicht uniformiert aussehen.

 

Der wahre Alleskönner unter den Sakkos ist das klassische Tweedsakko. Wie? Sie meinen, damit seien Sie auf konservativen britischen Landhausstil festgelegt? Wohl kaum. Sie wären überrascht, wie gut sich Tweed zu einem Rollkragenpullover macht. Aktuelle Modehaus-Kollektionen sehen den rauen Stoff gar in Kombination mit bunten Strickschals und Pullovern, gerne auch zu Designerjeans. Aber ja, wenn Sie möchten, können Sie natürlich auch ganz gentleman-like auf Hemd und gestreifte Krawatte zurückgreifen. Im Winter am besten darunter noch mit einem passenden V-Kragen-Pullover.

 

Auch wenn Verfechter der reinen Lehre hier die Augenbrauen hochziehen: auch eine Anzugjacke kann man als Sakko mit einer andersfarbigen Hose kombinieren. Vorsicht nur bei Nadelstreifen: da fällt das sofort auf.

 

Das einzige,was Sie besser vermeiden sollten: in den 90er Jahren waren auf einmal violette, flaschengrüne und senfgelbe Blazer sehr beliebt. Gerne als Zweireiher, machmal sogar mit Schalkragen. Zwar hat sich dies inzwischen wieder gegeben, vereinzelt hängen die Teile aber immer noch in den Geschäften. Lassen Sie es. Kein Einstecktuch und keine Krawatte können ein Outfit retten, das aussieht, als seien Sie farbenblind.



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